Sonntag, 8. Juni 2008

Zeitreise

Abfahrt Fuping: Freitag, 15.30 Uhr, Ankunft Kaub : Samstag 11.45 Uhr . Dazwischen müssten normalerweise 20 Stunden und 15 Minuten liegen. Wir waren aber 26 Stunden unterwegs! Irgendwie sind uns 6 Stunden abhanden gekommen!!!


Wahrscheinlich nicht auf dem Flug von Xi'an nach Peking, denn der dauerte nur 2 Stunden. Dann 4 Stunden auf dem größten Flughafen der Welt zusammen mit 200 Kasachen, die alle Plümos in China gekauft hatten und auf ihren Flug nach Almaty warteten. Auf dem Flug nach Budapest, der um 1.20 Uhr startete, wurden, nachdem wir alle brav ein scharfes Nudelsüppchen gegessen hatten, die Fensterläden zugeschoben, Kissen, Decken und Jasmintee verteilt und das Licht gedämpft. Dank Mischas Überlänge hatten wir wieder einen Platz am Notausgang und konnten uns ganz ausstrecken. Ab und zu hab ich aus dem Fenster geschaut und festgestellt, dass wir 5 Stunden lang im Morgenrot geflogen sind. Rosa Wolken über der Mongolei, Kasachstan, dem Bachalsee, der Wolga und immer noch über der Donau. Wahrscheinlich haben wir in den endlosen Steppen zwischen Mongolei und Kasachstan unsere Zeit verloren. Ob sie dort noch ist und einen einsamen Reiter überfällt, der mit 6 Stunden zu viel an seinem Ziel ankommt?
Nudeln mit scharfem Fisch zum Frühstück in der Luft! Da fällt uns garnichts mehr zu ein! Es ist ganz normal geworden, nach all dem gebratenen Spinat mit Chili und Tofu morgens. Der Kaffee und die Croissants mit Marmelade in Budapest kommen uns da schon komisch vor.
Auch der Anschlussflug nach Frankfurt klappte prima und überaschenderweise haben auch unsere Koffer die Zeitreise problemlos mitgemacht.
Nun steht uns noch der härteste Teil der Reise bevor: Frankfurt - Kaub. Bis Wiesbaden geht es ohne größere Probleme mit der S-Bahn. Wobei es uns sogar gelingt, mit einem älteren 10 Euroschein ein Ticket zu ziehen. Die Strecke Wiesbaden-Kaub gerät dann zum Härtetest. Die 30 kg schweren Koffer in einen Regionalexpress zu hieven und sich durch noch volltrunkene Europacup-Fans zu schlängeln gelingt noch ganz gut. Mit letzter Kraft kämpfen wir uns zum Ausstieg (in Fahrtrichtung links) durch die Rucksäcke und Nordig-Walking- Stöcke der Rheinsteigwanderer, bekommen die Tür sogar auf, schieben brutal eine Gruppe Realschüler beim Wandertag beiseite, um uns ermattet mit 30 Minuten Verspätung auf die Stühle unserer unweit des Kauber Bahnhofs gelegenen Lieblings-Weinstube fallen zu lassen.

Donnerstag, 5. Juni 2008

Letzter Tag in China

Es macht ein bisschen wehmütig, die Holländer jetzt an unseren Arbeitsplätzen zu sehen, aber es ist hochinteressant, wie anders sie ans Werk gehen

Schon die Auswahl der Künstler fand anders statt. Zwei Leute erkundeten die Möglichkeiten hier. Man entschied sich, nur skulpturale Keramik zu präsentieren. Es gab eine Ausschreibung und die Entscheidung traf ein Ausstellungsmacher für Keramik-Skulptur. Die Gruppe kam gut vorbereitet und mit einem gemeinsamen Plan hier an. Wir sind froh, dass wir nun drei verschiedene Nationalitäten und Konzepte kennenlernen konnten.
Wir machen einen letzten Gang durch die Museen, und die Betreuerin des "Croissant", so nennen sie unser Museum, hat noch viele Fragen, die wir versuchen zu beantworten: Grundzüge keramischer Kunst in 15 Minuten!!!

Als kleines Bonbon am Abend führt uns ein Ortskundiger und ein Übersetzer noch ins alte Fuping. Ein schöner Spaziergang, der in eine vergangene Welt führt. Ruhig und beschaulich ist es hier, keine befestigte Straße zwischen den Häusern. Sie haben alle ein großes Tor, das einen Hof abschließt. Alle Räume sind um den Innenhof gruppiert.

Es scheint fast, als schämten sich unsere Begleiter ein wenig für diese rückständige Welt mit ihrem Staub und Geruch. Sie klopfen die Hosenbeine ab und spucken kräftig aus, als wir die alte Stadt hinter uns lassen.

Mittwoch, 4. Juni 2008

Die Füße im Gelben Fluß

In der schwarzen Limousine vom Direktor mit Chauffeur und Dolmetscher, haben wir heute einen wundervollen Ausflug gemacht!
1 1/2 Stunden Fahrt mit 160 km/h in Richtung Nordosten über die tadellose Autobahn durch das flache Ackerland mit den fruchtbaren Lössboden. Tiefeingeschnittene Canyons erinnern uns daran, dass wir auf einer Hochebene sind.
Unser erstes Ziel ist das Mausoleum des Dichters und Denkers Sima Qian, der im ersten vorchristlichen Jahrhundert lebte und wirkte. Wenn ich unseren Dolmetscher richtig verstanden habe, war er es, der durch seine Geschichtsschreibung und die Sammlung mündlicher Überlieferungen, so etwas, wie ein chinesisches Nationalgefühl geschaffen hat.



Das Mausoleum liegt sehr imposant am Hang zwischen Hochplateau und der Schwemmebene des Gelben Flusses.


Die unterschiedlichen Gebäude und Tempel sind mit einer steilen Steinstraße verbunden, die in einer 99-stufigen Treppe endet. Für uns kein Problem, denn die Besteigung erfolgt hier anders als am Viktoriastollen, völlig ohne Skulpturen auf dem Arm. Wir hängen unsere Begleiter locker ab, die mächtig schwitzen.
Das ganze Mausoleum ist mit Zypressen bepflanzt, die in der Sonne duften. Der älteste Baum soll von Sima Qian selber gepflanzt sein, also über 2000 Jahre alt sein.


Nach dem Lunch mit köstlichen Nudelgerichten und Teigröllchen, das Lokal war ein Geheimtip unseres Fahrers, geht es weiter ins Dorf Dang Jia. Es hat sich seit der Western-Han-Dynastie, die 200 nCh. endete, nicht wesentlich verändert. Es ist kein Museum, sondern es leben noch immer Menschen hier. Die schlafen leider alle, als wir durch das Dorf streifen und einige Häuser mit ihren hermetischen Innenhöfen besichtigen.
Die letzte Station ist der Gelbe Fluss, die Mutter der Flüsse. Das Flusstal ist unglaublich weit und das andere Ufer verliert sich im Dunst.
Wir laufen bis ans Wasser über feinsten Sand und hart gewordenen Schlirf.
Das Wasser ist erstaunlich sauber und es wird gefischt und gebadet. Wir begnügen uns mit der Befeuchtung unserer Füße und können es garnicht fassen, wie sauber und friedlich dieser gigantische Fluss unsere Zehen umspielt.

Dienstag, 3. Juni 2008

Ein Ferientag in Fuping

Nicht in die Werkstatt, nicht zu den Öfen, ein ungewohntes Leben nach vier Wochen an der Keramikfront. Einen Spaziergang in die Stadt nehmen wir uns für den Vormittag vor. Ich will mir unbedingt noch was schneidern lassen und wir möchten noch andere Größen von den wunderbaren Kalligraphiepinseln haben, die es bei der Rollbildmalerin gibt.

In die Gasse der Gewürzhändler, deren Mühlen mit ihren dicken Mahlsteinen den ganzen Tag laufen, müssen wir auch noch, um Sechuanpfeffer zu kaufen, dessen würzige Schärfe wir lieben gelernt haben.

Endlich können wir mal ohne Zeitdruck schlendern oder einfach nur so durch die Gegend laufen. Das tun wir auch am Nachmittag nach einer ausgedehnten Siesta.
Im Moment wird der Weizen geerntet. Er ist hier im Norden Chinas das Kohlenhydrat Nr.1, Rohstoff für die Nudeln, die gedämpften Hefeklöße und die gefüllten Teigtaschen, die zu jeder Mahlzeit gehören.
Die Kleinbauern ernten sehr archaisch. Nur die wohlhabenderen können Mähdrescher kommen lassen. Die Ernte wird auf den Straßenrändern gedörrt und gedroschen.


Es tut so gut nach all der Zeit im Studio, im geschlossenen Raum mit Kunstlicht, Sonne und Wind auf der Haut zu spüren und den Duft der Erde und des reifen Korns zu riechen.

Montag, 2. Juni 2008

Abschied unter Tränen

Trotz Grillabend mit Bier und Wein, Frühstück um 7.30 Uhr! Heute werden alle, außer uns, Fuping verlassen. Moni und Werner sind die ersten, sie fliegen nach Shanghai, um von dort noch interessante Plätze in Südchina zu besuchen. Wir singen zum Abschied das Lied, das wir alle am Besten beherrschen: Oh, Tannenbaum!
Nach dem Lunch fahren wir mit dem Rest der Gruppe zum Flughafen nach Xi'an. Es ist noch Zeit genug vor dem Abflug, das Han Yangling Museum zu besuchen, das 15 Minuten vom Airport entfernt liegt. Es ist erst vor zwei Jahren eröffnet worden und unterirdisch, direkt über den Ausgrabungsstätten erbaut. Auch hier ist es die Grabstätte eines Kaisers, dessen pyramidenähnlicher Grabhügel mit Gräben voller Tonfiguren umgeben ist. Sie stellen den Hofstaat des Kaisers dar, seine Krieger, seine Kutschen, Sängerinnen, Tänzerinnen, die Eunuchen, Reiterinnen, Bogenschützen.... Alle begleiten den Kaiser in die Unterwelt und, damit er da auch genug zu essen hat, gibt es Herden von Schafen und Rindern, Ferkelchen, Hühnern und Hunden (Speisehunde?). Leider kann man nicht fotografieren, denn alles ist abgedunkelt und wir laufen mit Plastikhüllen über den Schuhen in Panzerglasgängen direkt über die mit Figuren gefüllten Gräben.


Die Tonfiguren sind kleiner als die Krieger der Terrakotta-Armee, aber ebenso eindrucksvoll und ich bin völlig hin und weg von der Tierdarstellung.
Langsam werden die Kollegen, denen noch der lange Flug bevorsteht, unruhig und wir verlassen diesen eindrucksvollen Platz, um rechtzeitig zu ihrem Einchecken am Flughafen zu sein. Wir singen nicht zum Abschied, sondern winken nur heftig, als sie mit ihren Koffern und Taschen in die Menge eintauchen.

Sonntag, 1. Juni 2008

Eröffnungszeremonie

Es ist ein richtig heißer Sommertag und schon am frühen Morgen hört man die Trommler für das Eröffnungsfest üben. Die Gruppe holländischer Keramiker ist mit Dr. I Chi Hsu und einigen bekannten chinesischen Künstlern, Kunstprofessoren und -publizisten gestern aus Peking eingetroffen, um der Feier beizuwohnen.


Antje und ich tragen unsere Seidenjäckchen!


Nach Trommel- und Zimbelklängen und einem Musikprogramm, werden wir auf die Bühne gerufen. Wir tragen schwarz-rot-goldene Blütenkränze, die wir nach der Zermonie unseren Freunden umhängen werden.

Reden, Geschenke, Würdigungen, alles sehr feierlich!! Dann wird das rote Band von allen Ehrengästen zerschnitten und der Besucherstrom ergießt sich ins neue Deutsche Museum


Was uns besonders freut: alle, die wir in Fuping kennengelernt haben sind mit Kind und Kegel gekommen, und wollen sich mit uns fotografieren lassen.


Einem Dinner folgt am Abend ein gemeinsames Grillfest mit großem Feuerwerk.

Samstag, 31. Mai 2008

Ruhe vor dem Sturm

Die Arbeit ist jetzt getan, nur noch ein paar Listen zu schreiben und Geschenke zu verpacken.
Monika Gass hat den Koffer voller Geschenke aus dem Westerwald!
Als routinierte Fachfrau wird sie mit kundiger Hand der Ausstellung den letzten Schliff geben. Barbara Gröbel wird die Dankesrede der Gruppe halten. Man hatte auch an mich gedacht. Sehr schmeichelhaft, aber ich denke, da sollen mal die Jungen ran.
Barbara ist für heute unsere Keramikerin des Tages. Sie lebt und arbeitet in Koblenz. Sie ist freie Künstlerin für Malerei und Installation. Ihr Diplom hat sie am Institut für Künstlerische Keramik und Glas in Höhr-Grenzhausen gemacht. Barbara wird in diesem Jahr noch weitere Studienreisen unternehmen.


Mischa und ich haben großen Bewegungsdrang und laufen nach Fuping. Mal was anderes sehen als Keramik!



Freitag, 30. Mai 2008

Aufbau zwischen Museum und Tunnelofen

Die Plätze sind verteilt, die noch fehlenden Podeste geschweißt und gestrichen, die nötigen Löcher gebohrt. Der Aufbau nimmt seinen Lauf und immer wieder laufen einige von uns zum Tunnelofen, der nach einer Reperatur wieder in Betrieb ist, um zu sehen, welche Stücke den Stau im Brand überlebt haben. Dazu gehört eine von Mischas großen Schalen, Petra Bittl`s Wandarbeiten und einige von Thomas Hirschler`s Objekten.


Die Kollegen helfen sich untereinander beim Stellen der Podeste und Objekte und manchmal bringt ein Tip die entscheidende Idee.
Im oberen Teil der Präsentation verzichten wir nun fast alle auf Podeste. So kommt die Architektur des Raumes voll zur Geltung.


Antje Scharfe, Martin Möhwald und Mischa versuchen mit ihren Podesten die komplizierte Form des unteren Raumes aufzunehmen.


Abends: Entspannung in kleinen Grüppchen bei Massage, Billard, Tanz oder wie wir, bei einem schlichten Bier in der Trafo-Bar.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Endspurt

Gestern Abend ist Monika Gass aus Deutschland eingetroffen. Sie ist die Direktorin des Keramikmuseums Westerwald, das übrigens das größte seiner Art in Europa ist!!!
Sie hat die Fuping-Gruppe ausgesucht, ist Kontaktperson von Dr. Ichi Hsu und wird die Eröffnungsansprache halten.
Wir eilen vor dem Frühstück zum Ofen, den wir noch in der Nacht gezogen haben. Alles scheint dank Mischas geopfertem Schlaf heil und gar zu sein!!! Wir brauchen nur etwas schleifen und entgraten, dann ab damit ins Museum. Die größten Stücke in einem kleinen Auto.



Der Aufbau im deutschen Museum, das tatsächlich pünktlich fertig wurde, begann.
Eine echte Herrausforderung für die Gruppe! Jeder Psychologe hätte bestimmt seine wahre Freude an uns gehabt. Wir geben bestimmt super Labormäuse in einem Feldversuch für Gruppendynamik ab.
Der Chairman scheint ein Gespür für die Situation zu haben, er lädt uns zu einem Abendessen unter freiem Himmel ein und bringt uns ein chinesisches Würfelpokern bei.




Monika Gass und ich widmen uns danach einer noch genüsslicheren Art der Entspannung: chinesische Fußmassage im Beauty- Salon des Hotels.
Vielleicht gibt es demnächst noch einen Extra Blogg : Schönheit in China
Abnehmen durch erhöhte Nahrungsaufnahme - Entspannung durch Schläge: " Fuping-Kung-Fu Massage" und die ultimative Gesichtsstraffung am Tunnelofen.
Apropos Tunnelofen: der ging wieder kaputt und viele Stücke der Gruppe stecken darin fest und wir befürchten, sie abschreiben zu müssen. Für einige bitter, aber die meisten von uns haben trotzdem genügend gute Arbeiten.


Mittwoch, 28. Mai 2008

Der Ofen, das chinesische Jäckchen und ein gutes Glas Rotwein

Ofensetzen war das Vormittagsprogramm. Jeweils drei Töpferlehrlinge schleppten unsere Stücke in den Brennraum. So was tun sie gerne, denn dann können sie für eine Weile ihrem strengen Lehrmeister entwischen und mit uns Englisch lernen.
Glücklicherweise ist es ein Herdwagenofen, das heißt, die Stücke werden auf dem rollbaren Boden des Ofens eingebaut, und dann ins Ofeninnere geschoben. Das macht das Brennen großer Stücke einigermaßen leicht realisierbar.




Mischa zirkelt mit einem überaus kräftigen Brennmeister alle Stücke in den Ofen, mit dem er sich in den letzten Tagen vertraut gemacht hat.
Ein neues Schauloch zur besseren Temperaturüberwachung ließ er installieren


und besteht darauf, heute nacht, wenn die Solltemperatur erreicht ist, geweckt zu werden. Dreimal" Ni hao" soll der Brennmeister ins Telefon rufen, dann käme er sofort.
Bis dahin ist noch jede Menge Zeit und wir können andere wichtige Dinge erledigen. Zum Beispiel mein chinesisches Jäckchen abholen und endlich mal den chinesischen Rotwein probieren.
Von beidem war ich sehr begeistert. Die kurzärmelige Jacke ist aus silbergrauer bestickter Seide mit Stehkragen und Riegelverschluß. Der Rotwein, aus einer kleinen verträumten landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaft mit einer Anbaufläche so groß wie Rhein-Hessen, ist ein Cabernet Sauvignon und schmeckt uns verwöhnten Schoppennasen ausnehmend gut. Besonders mir, und als um 1.30 Uhr morgens der Brennmeister sein "Ni hao" ins Telefon schmettert, bin ich erleichtert, nicht aus dem kuscheligen Bett zu müssen.
Bis 4.00 Uhr wacht Mischa am Ofen! Dann sind alle Kegel (zur Temperaturmessung) gefallen und fast 1200° Grad erreicht.

Dienstag, 27. Mai 2008

Brandvorbereitung für die großen Stücke

Morgen ist der letzte Termin, an dem wir den Kammerofen brennen können. Das heißt, wir müssen alles auf eine Karte setzen, denn alle großen Stücke werden in diesem Brand sein: Die vier Vasen-Riesen von Mischa und meine zwei großen Frauen, also alle wichtigen Stücke.
Die galt es für den Brand vorzubereiten. Erst in der Nacht, als wichtige Probestücke aus dem Ofen kamen, konnte man die endgültige Entscheidung für die Oberflächen treffen.
Für die Bemalung des Obergewandes meiner Tang-Dame habe ich mit der beste der Malerin
der Fabrik zusammengearbeitet. Frau Mung hatte große Freude an meinen vielen Farben und sie überzog das Gewand mit einem blauen Blumenmuster. Es hat allen Spaß gemacht, dass wir sie mit ein bezogen haben.


Mischa hat wirklich etliche Quadratmeter zu bewältigen und ich helfe ihm, während Frau Mung malt beim Grundieren.

Die Farben trägt er mit den neuen chinesischen Pinseln auf, die einfach genial sind. Wir profitieren von 1000 jähriger Pinseltradition!!!
Inzwischen ist es hier sommerheiß geworden und wir kommen ganz schön in's Schwitzen. Da hilft es am besten, viel grünen Tee zu trinken, den man hier in großer Vielfalt erstehen kann. In Fuping gibt es einige Teeläden und auch im Kaufhaus gibt es eine große Vielfalt von offenen Teesorten. Die ganz edlen Sorten werden in unserem Lieblingsteeladen in der Kühltruhe gelagert. Sie sind frisch und blumig und die verschiedenen Aufgüsse haben unterschiedlichen Geschmack. Im Moment trinke ich gerade den dritten Aufguss einer ganz großblättrigen Teesorte, die einen feinen nussigen Geschmack hat. Köstlich !!!

Montag, 26. Mai 2008

Erste Ergebnisse

Der erste Gang am Morgen führt uns nun zum Tunnelofen, der nach 24 Stunden die fertigen Objekte freigibt. Rund um den Ofen ist Vorhölle, voller Lärm, unglaublich staubig und so heiß. Hier wird rund um die Uhr gearbeitet. Die Ofenmänner gehen vorsichtig mit unseren Arbeiten um und sind sehr besorgt, dass alles heil bleibt.



Meine Schwimmerinnen und Mischas große Schalen sind unversehrt geblieben. Antjes filigrane Stilleben haben die ruckende Fahrt der Herdwagen durch den Ofen heil überstanden.




Nun können wir langsam darüber nachdenken, wie wir unsere Stücke präsentieren wollen.
Eine gute und eine schlechte Nachricht zum Lunch: Wir haben endlich unsere Visaverlängerungen!!! Aber Huang-fe, unsere Lieblingsdolmetscherin hat gekündigt und wir nehmen tränenreichen Abschied. Wir haben viel vom Leben in China von ihr erfahren. Nun haben wir nur noch unseren guten Mister Wang, der, wenn wir ihn allzusehr stressen, in die leere Packhalle geht und mit einer wundervollen Counter-Tenor-Stimme voller Inbrunst singt.

Sonntag, 25. Mai 2008

Pagoden und Moscheen

Ein wunderbarer Tag in Xi'an liegt hinter uns. Zu zweit oder dritt, mal ganz nach eigenem Gusto, ging es durch die 7 Millionen-Stadt. Mischa und ich schnappten uns Mister Wang und den Fahrer zu einem richtigen Touri-Tag.
Auf den Antikmarkt, in dessen Nähe der Bus parkte, hatten wir nicht so große Lust. Lieber Augenschmaus statt Konsumrausch!
Also gings mit dem Taxi Richtung Große Stadtmauer, die fast 14 km lang und noch vollständig erhalten ist, zur Kleinen-Gans-Pagode. Sie dient der Fürbitte und dicke Schwaden von Räucherkerzen hüllen uns ein. Sie stammt aus der Blütezeit der Stadt (900 n Ch.) .


Wir durchqueren das Moslemviertel mit seinen engen Gassen und bunten Verkaufsständen

. Mitten drin liegt die große Moschee, die größte Chinas. Wir besichtigen sie kurz vor dem Mittagsgebet und Männer mit kleinen weißen Käppchen strömen herein. Die Moschee ist seit über 1000 Jahren Gotteshaus! Sie ist in sehr gutem Zustand und mit ihren wunderschönen Grünanlagen und Wasserhöfen ein Ort der Stille und Frische im Großstadtgetriebe. Mr. Wang verwickelt einen Mullah in ein Gespräch. Er widersteht den Bekehrungversuchen und wir erfahren, dass die Moslems auch in der Zeit der Kulturrevolution ungestört ihren religiösen Pflichten nachgehen durften.


Zum Mittagessen suchen wir eine der unzähligen Garküchen des Moslemviertels auf und laden unsere Begleiter zu einer scharfen Hammelsuppe ein, die vor unseren Augen aus frischen Zutaten entsteht. Dazu gibt es süßsauer eingelegten Knoblauch.

Das Nachmittagsprogramm beginnt mit einem Gang durch die Kulturstraße. Pinsel- und Papierläden prägen das Bild und Kalligraphen bieten ihre Künste an.
Dann einen Gang durch die moderne Stadt, die wohlhabend und sehr westlich wirkt, von amerikanischen Junk-Food-Ketten schon erobert.
Dannach wieder mit dem Taxi zur großen Gänse-Pagode am Südrand der Innenstadt. Der Weg dahin führt vorbei an Brunnenanlagen, großen mit poliertem Granit gefliesten Plätzen, Pavillons und Verkaufsbüdchen. Es herrscht reges Treiben und Mister Wang erklärt uns, dass dies ein beliebter Treffpunkt für die jungen Leute der Stadt ist.
Um zur Pagode zu kommen, müssen wir durch eine lange Straßenunterführung. Dort erleben wir unser zweites Erdbeben!!!
Ein leichteres, als beim ersten Mal, aber nicht weniger beunruhigend, da das Epizentrum, wie wir später erfahren, in unserer Shaanxi-Provinz liegt.
Die große Gänse-Pagode hat enorme Ausmaße und liegt wieder in einem Park, der mir das Herz aufgehen läßt mit immergrünen Büschen und Bäumen jeder erdenklichen Art. Mönche pflegen ihn. Die Pagode ist einem buddhistischen Mönchen der Tangzeit gewidmet und stellt dessen Leben und Wirken dar. Alles ist sehr prachtvoll und peinlich sauber.
Mister Wang schimpft etwas auf die Mönche, die seiner Meinung nach jeden Tag Fleisch essen, rauchen und trinken und ganz bestimmt auch Mercedes fahren (sein Synonym für Wohlstand) und drängt zur Rückkehr zum Bus. Er glaubt nicht daran, dass alle, wie versprochen, um 18.00 Uhr dort eintreffen werden. Er ist schrecklich nervös und überlegt sich schon Rettungsmaßnahmen für verlorene Schafe. 17. 57 Uhr trifft die erste 17.59 Uhr die letzte Gruppe ein. Na, geht doch!