Samstag, 31. Mai 2008

Ruhe vor dem Sturm

Die Arbeit ist jetzt getan, nur noch ein paar Listen zu schreiben und Geschenke zu verpacken.
Monika Gass hat den Koffer voller Geschenke aus dem Westerwald!
Als routinierte Fachfrau wird sie mit kundiger Hand der Ausstellung den letzten Schliff geben. Barbara Gröbel wird die Dankesrede der Gruppe halten. Man hatte auch an mich gedacht. Sehr schmeichelhaft, aber ich denke, da sollen mal die Jungen ran.
Barbara ist für heute unsere Keramikerin des Tages. Sie lebt und arbeitet in Koblenz. Sie ist freie Künstlerin für Malerei und Installation. Ihr Diplom hat sie am Institut für Künstlerische Keramik und Glas in Höhr-Grenzhausen gemacht. Barbara wird in diesem Jahr noch weitere Studienreisen unternehmen.


Mischa und ich haben großen Bewegungsdrang und laufen nach Fuping. Mal was anderes sehen als Keramik!



Freitag, 30. Mai 2008

Aufbau zwischen Museum und Tunnelofen

Die Plätze sind verteilt, die noch fehlenden Podeste geschweißt und gestrichen, die nötigen Löcher gebohrt. Der Aufbau nimmt seinen Lauf und immer wieder laufen einige von uns zum Tunnelofen, der nach einer Reperatur wieder in Betrieb ist, um zu sehen, welche Stücke den Stau im Brand überlebt haben. Dazu gehört eine von Mischas großen Schalen, Petra Bittl`s Wandarbeiten und einige von Thomas Hirschler`s Objekten.


Die Kollegen helfen sich untereinander beim Stellen der Podeste und Objekte und manchmal bringt ein Tip die entscheidende Idee.
Im oberen Teil der Präsentation verzichten wir nun fast alle auf Podeste. So kommt die Architektur des Raumes voll zur Geltung.


Antje Scharfe, Martin Möhwald und Mischa versuchen mit ihren Podesten die komplizierte Form des unteren Raumes aufzunehmen.


Abends: Entspannung in kleinen Grüppchen bei Massage, Billard, Tanz oder wie wir, bei einem schlichten Bier in der Trafo-Bar.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Endspurt

Gestern Abend ist Monika Gass aus Deutschland eingetroffen. Sie ist die Direktorin des Keramikmuseums Westerwald, das übrigens das größte seiner Art in Europa ist!!!
Sie hat die Fuping-Gruppe ausgesucht, ist Kontaktperson von Dr. Ichi Hsu und wird die Eröffnungsansprache halten.
Wir eilen vor dem Frühstück zum Ofen, den wir noch in der Nacht gezogen haben. Alles scheint dank Mischas geopfertem Schlaf heil und gar zu sein!!! Wir brauchen nur etwas schleifen und entgraten, dann ab damit ins Museum. Die größten Stücke in einem kleinen Auto.



Der Aufbau im deutschen Museum, das tatsächlich pünktlich fertig wurde, begann.
Eine echte Herrausforderung für die Gruppe! Jeder Psychologe hätte bestimmt seine wahre Freude an uns gehabt. Wir geben bestimmt super Labormäuse in einem Feldversuch für Gruppendynamik ab.
Der Chairman scheint ein Gespür für die Situation zu haben, er lädt uns zu einem Abendessen unter freiem Himmel ein und bringt uns ein chinesisches Würfelpokern bei.




Monika Gass und ich widmen uns danach einer noch genüsslicheren Art der Entspannung: chinesische Fußmassage im Beauty- Salon des Hotels.
Vielleicht gibt es demnächst noch einen Extra Blogg : Schönheit in China
Abnehmen durch erhöhte Nahrungsaufnahme - Entspannung durch Schläge: " Fuping-Kung-Fu Massage" und die ultimative Gesichtsstraffung am Tunnelofen.
Apropos Tunnelofen: der ging wieder kaputt und viele Stücke der Gruppe stecken darin fest und wir befürchten, sie abschreiben zu müssen. Für einige bitter, aber die meisten von uns haben trotzdem genügend gute Arbeiten.


Mittwoch, 28. Mai 2008

Der Ofen, das chinesische Jäckchen und ein gutes Glas Rotwein

Ofensetzen war das Vormittagsprogramm. Jeweils drei Töpferlehrlinge schleppten unsere Stücke in den Brennraum. So was tun sie gerne, denn dann können sie für eine Weile ihrem strengen Lehrmeister entwischen und mit uns Englisch lernen.
Glücklicherweise ist es ein Herdwagenofen, das heißt, die Stücke werden auf dem rollbaren Boden des Ofens eingebaut, und dann ins Ofeninnere geschoben. Das macht das Brennen großer Stücke einigermaßen leicht realisierbar.




Mischa zirkelt mit einem überaus kräftigen Brennmeister alle Stücke in den Ofen, mit dem er sich in den letzten Tagen vertraut gemacht hat.
Ein neues Schauloch zur besseren Temperaturüberwachung ließ er installieren


und besteht darauf, heute nacht, wenn die Solltemperatur erreicht ist, geweckt zu werden. Dreimal" Ni hao" soll der Brennmeister ins Telefon rufen, dann käme er sofort.
Bis dahin ist noch jede Menge Zeit und wir können andere wichtige Dinge erledigen. Zum Beispiel mein chinesisches Jäckchen abholen und endlich mal den chinesischen Rotwein probieren.
Von beidem war ich sehr begeistert. Die kurzärmelige Jacke ist aus silbergrauer bestickter Seide mit Stehkragen und Riegelverschluß. Der Rotwein, aus einer kleinen verträumten landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaft mit einer Anbaufläche so groß wie Rhein-Hessen, ist ein Cabernet Sauvignon und schmeckt uns verwöhnten Schoppennasen ausnehmend gut. Besonders mir, und als um 1.30 Uhr morgens der Brennmeister sein "Ni hao" ins Telefon schmettert, bin ich erleichtert, nicht aus dem kuscheligen Bett zu müssen.
Bis 4.00 Uhr wacht Mischa am Ofen! Dann sind alle Kegel (zur Temperaturmessung) gefallen und fast 1200° Grad erreicht.

Dienstag, 27. Mai 2008

Brandvorbereitung für die großen Stücke

Morgen ist der letzte Termin, an dem wir den Kammerofen brennen können. Das heißt, wir müssen alles auf eine Karte setzen, denn alle großen Stücke werden in diesem Brand sein: Die vier Vasen-Riesen von Mischa und meine zwei großen Frauen, also alle wichtigen Stücke.
Die galt es für den Brand vorzubereiten. Erst in der Nacht, als wichtige Probestücke aus dem Ofen kamen, konnte man die endgültige Entscheidung für die Oberflächen treffen.
Für die Bemalung des Obergewandes meiner Tang-Dame habe ich mit der beste der Malerin
der Fabrik zusammengearbeitet. Frau Mung hatte große Freude an meinen vielen Farben und sie überzog das Gewand mit einem blauen Blumenmuster. Es hat allen Spaß gemacht, dass wir sie mit ein bezogen haben.


Mischa hat wirklich etliche Quadratmeter zu bewältigen und ich helfe ihm, während Frau Mung malt beim Grundieren.

Die Farben trägt er mit den neuen chinesischen Pinseln auf, die einfach genial sind. Wir profitieren von 1000 jähriger Pinseltradition!!!
Inzwischen ist es hier sommerheiß geworden und wir kommen ganz schön in's Schwitzen. Da hilft es am besten, viel grünen Tee zu trinken, den man hier in großer Vielfalt erstehen kann. In Fuping gibt es einige Teeläden und auch im Kaufhaus gibt es eine große Vielfalt von offenen Teesorten. Die ganz edlen Sorten werden in unserem Lieblingsteeladen in der Kühltruhe gelagert. Sie sind frisch und blumig und die verschiedenen Aufgüsse haben unterschiedlichen Geschmack. Im Moment trinke ich gerade den dritten Aufguss einer ganz großblättrigen Teesorte, die einen feinen nussigen Geschmack hat. Köstlich !!!

Montag, 26. Mai 2008

Erste Ergebnisse

Der erste Gang am Morgen führt uns nun zum Tunnelofen, der nach 24 Stunden die fertigen Objekte freigibt. Rund um den Ofen ist Vorhölle, voller Lärm, unglaublich staubig und so heiß. Hier wird rund um die Uhr gearbeitet. Die Ofenmänner gehen vorsichtig mit unseren Arbeiten um und sind sehr besorgt, dass alles heil bleibt.



Meine Schwimmerinnen und Mischas große Schalen sind unversehrt geblieben. Antjes filigrane Stilleben haben die ruckende Fahrt der Herdwagen durch den Ofen heil überstanden.




Nun können wir langsam darüber nachdenken, wie wir unsere Stücke präsentieren wollen.
Eine gute und eine schlechte Nachricht zum Lunch: Wir haben endlich unsere Visaverlängerungen!!! Aber Huang-fe, unsere Lieblingsdolmetscherin hat gekündigt und wir nehmen tränenreichen Abschied. Wir haben viel vom Leben in China von ihr erfahren. Nun haben wir nur noch unseren guten Mister Wang, der, wenn wir ihn allzusehr stressen, in die leere Packhalle geht und mit einer wundervollen Counter-Tenor-Stimme voller Inbrunst singt.

Sonntag, 25. Mai 2008

Pagoden und Moscheen

Ein wunderbarer Tag in Xi'an liegt hinter uns. Zu zweit oder dritt, mal ganz nach eigenem Gusto, ging es durch die 7 Millionen-Stadt. Mischa und ich schnappten uns Mister Wang und den Fahrer zu einem richtigen Touri-Tag.
Auf den Antikmarkt, in dessen Nähe der Bus parkte, hatten wir nicht so große Lust. Lieber Augenschmaus statt Konsumrausch!
Also gings mit dem Taxi Richtung Große Stadtmauer, die fast 14 km lang und noch vollständig erhalten ist, zur Kleinen-Gans-Pagode. Sie dient der Fürbitte und dicke Schwaden von Räucherkerzen hüllen uns ein. Sie stammt aus der Blütezeit der Stadt (900 n Ch.) .


Wir durchqueren das Moslemviertel mit seinen engen Gassen und bunten Verkaufsständen

. Mitten drin liegt die große Moschee, die größte Chinas. Wir besichtigen sie kurz vor dem Mittagsgebet und Männer mit kleinen weißen Käppchen strömen herein. Die Moschee ist seit über 1000 Jahren Gotteshaus! Sie ist in sehr gutem Zustand und mit ihren wunderschönen Grünanlagen und Wasserhöfen ein Ort der Stille und Frische im Großstadtgetriebe. Mr. Wang verwickelt einen Mullah in ein Gespräch. Er widersteht den Bekehrungversuchen und wir erfahren, dass die Moslems auch in der Zeit der Kulturrevolution ungestört ihren religiösen Pflichten nachgehen durften.


Zum Mittagessen suchen wir eine der unzähligen Garküchen des Moslemviertels auf und laden unsere Begleiter zu einer scharfen Hammelsuppe ein, die vor unseren Augen aus frischen Zutaten entsteht. Dazu gibt es süßsauer eingelegten Knoblauch.

Das Nachmittagsprogramm beginnt mit einem Gang durch die Kulturstraße. Pinsel- und Papierläden prägen das Bild und Kalligraphen bieten ihre Künste an.
Dann einen Gang durch die moderne Stadt, die wohlhabend und sehr westlich wirkt, von amerikanischen Junk-Food-Ketten schon erobert.
Dannach wieder mit dem Taxi zur großen Gänse-Pagode am Südrand der Innenstadt. Der Weg dahin führt vorbei an Brunnenanlagen, großen mit poliertem Granit gefliesten Plätzen, Pavillons und Verkaufsbüdchen. Es herrscht reges Treiben und Mister Wang erklärt uns, dass dies ein beliebter Treffpunkt für die jungen Leute der Stadt ist.
Um zur Pagode zu kommen, müssen wir durch eine lange Straßenunterführung. Dort erleben wir unser zweites Erdbeben!!!
Ein leichteres, als beim ersten Mal, aber nicht weniger beunruhigend, da das Epizentrum, wie wir später erfahren, in unserer Shaanxi-Provinz liegt.
Die große Gänse-Pagode hat enorme Ausmaße und liegt wieder in einem Park, der mir das Herz aufgehen läßt mit immergrünen Büschen und Bäumen jeder erdenklichen Art. Mönche pflegen ihn. Die Pagode ist einem buddhistischen Mönchen der Tangzeit gewidmet und stellt dessen Leben und Wirken dar. Alles ist sehr prachtvoll und peinlich sauber.
Mister Wang schimpft etwas auf die Mönche, die seiner Meinung nach jeden Tag Fleisch essen, rauchen und trinken und ganz bestimmt auch Mercedes fahren (sein Synonym für Wohlstand) und drängt zur Rückkehr zum Bus. Er glaubt nicht daran, dass alle, wie versprochen, um 18.00 Uhr dort eintreffen werden. Er ist schrecklich nervös und überlegt sich schon Rettungsmaßnahmen für verlorene Schafe. 17. 57 Uhr trifft die erste 17.59 Uhr die letzte Gruppe ein. Na, geht doch!

Samstag, 24. Mai 2008

Basisdemokratie beim Abendbrot

Nun sind auch unsere Dolmetscher führerlos wie wir! Mister By hat die Firma- und uns verlassen. Wir können nicht herrausbekommen warum. Spannungen waren aber in der letzten Zeit deutlich zu spüren.
Unsere Art, Entscheidungen zu treffen, indem wir diskutieren und abschließend friedlich abstimmen, beobachten die Translater erstaunt und stets etwas amüsiert.
Heute Abend haben wir einstimmig beschlossen, morgen wieder einen Ausflug zu unternehmen. Nochmals nach Xi'an, aber diesmal ohne verbindliches Besuchsprogramm in der großen Herde, sondern in kleinen Gruppen auf eigene Faust und ohne Translater. Die reagieren mit leichten Panikattacken, da sie für uns verantwortlich sind. Manfred, Mischa und ich erklären uns schließlich bereit, einen von ihnen mitzunehmen. (es feilscht sich einfach besser mit Dolmetscher). Wer einverstanden ist, Hand hoch! Allgemeine Zustimmung, Geld einsammeln für den Bus, Ende der Sitzung. Irgendein Ulkvogel schlägt vor, einen Fuping-Verein zu gründen und bietet sich selbst schon als Schriftführer an. Soviel Selbstironie spricht doch für uns, oder ?
Der Tag heute war für uns angefüllt mit Glasieren, Malen und Stücke in die Trockenöfen schicken.
Mischa hat seine große Wandarbeit und die gedrehten Gefäße glasiert. Mit Schöpfkelle und dem Werkstatt-Reisigbesen, den er wie einen Riesenpinsel benutzt.
Meine Schwimmerinnen sind nun alle im Tunnelofen, nachdem ich die im Trockenofen angeschlagenen Stellen wieder restauriert hatte. -Langsam arrangieren wir uns alle mit kleineren Katastrophen!

Unser Künstler des Tages ist heute Fritz Roßmann aus Höhr-Grenzhausen. Er ist Mitbegründer der international agierenden Werkstattgruppe Grenzhausen. Er ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem auch mit dem Staatspreis Rheinland-Pfalz. Wir kennen Fritz seit unserer Lehrzeit und ich habe meinen ersten Artikel in der Null-Nummer der "Neuen Keramik" über ihn geschrieben. Schön dass wir zusammen hier sein können!

Fritz dreht Gefäße, die er mit den traditionellen Glasuren von hier glasieren will.

Freitag, 23. Mai 2008

Wandertag ins Töpferdorf

Wieder steht ein kleiner knallblauer Bus für uns um 8.00 Uhr vor dem Hotel. Diesmal sogar mit Klimaanlage. Diesmal begleitet uns nicht nur ein Dolmetscher, sondern auch der Kameramann, der Computerspezialist, der Werkstattleiter und die zukünftige Museumsführerin des Deutschen Museums. Alle sind vergnügt und albern herum, wie Viertklässler am Wandertag.
Die Familie des Werkstattleiters hat einen Betrieb in der Nähe des Keramikmuseums, das wir besuchen wollen. Er führt stolz die Porzellane mit Seladonglasur vor, die hier produziert werden. Ich erstehe ein kleines Kännchen, das die selbe Form hat, wie die Riesenkanne vorm Museum.

Am besten hat mir der Park rund um das Museum gefallen. Eine ungewöhnliche Gehölzkombination, dazwischen Rosen. Ein Gärtner entfernt die alten Blüten. Alles sieht morgenfrisch aus.
Nach dem Lunch in einer in Smog und Staub vergrauten Industriestadt, geht es richtig in die Berge! Die Luft wird endlich klar. Die Hänge sind terrassiert und mit Weizen und Obstbäumen bebaut. Kein Gemüseanbau mehr wie auf den fruchtbaren Lössböden des Flachlandes, in dem Fuping liegt. Über Serpentinen durch Schlaglöcher und abgerutschtem Geröll, dreirädrige Pickups und Handkarren rasant mit lautem Gehupe überholend, erreichen wir Chendou.
Hier ist gerade zu unserer Begeisterung Wochenmarkt, den wir durchstreifen.
Der Ort erstreckt sich in einer leichten Senke am Berghang und scheint ganz aus Brennkapseln gebaut zu sein. Farben und Oberflächen, nach denen sich jeder Holzofenbrenner alle 10 Finger lecken würde. Die Töpfereien sind immer rund um Höfe gruppiert: große prächtige, kleine gepflegte und auch winzige, sehr armselige.
Wir besuchen verschiedene Werkstätten, die eigentlich alle Ähnliches herstellen: Reproduktionen der alten Traditionsformen. Wir sehen einige phantastische Dreher, Malerinnen und Graviererinnen, die zum Teil in höhlenartigen Betriebsräumen ihrer Arbeit nachgehen.

Auf einem Terrassenvorplatz treffen wir eine alte Dame mit winzigen Füßen. Sie ist 86 Jahre alt und überaus lebendig. Hier mit ihrem Sohn.
Sicher war das eines der guten Resultate der chinesischen Revolution: Das Ende der Verstümmelung von Mädchenfüßen.
Nach dem Hinauf- und Hinabklettern durch die Töpferhöfe, vorbei an Schlämmbecken und alten Brennöfen geht die Fahrt wieder zurück ins Flachland. Unser Fahrer verzichtet völlig aufs Herunterschalten. Das ersetzt er durch lautes Hupen, was aber das Durchglühen der Bremsbeläge nicht völlig verhindern kann. Eine Brems-Kühl-Pause muß eingelegt werden. Wir trödeln extra ein bißchen herum, um den Bremsbelägen und unserer Lebenserwartung bessere Chancen zu geben.
Im Vorbeifahren passieren wir Kalköfen, wo Kalksteine grob zerkleinert mit Hilfe von einfachen mit Steinkohle beheizten Feldöfen zu Kalk gebrannt werden. Es wirkt sehr archaisch.
Immer wieder scheint nach dem selben Prinzip gearbeitet zu werden: Mit vielen, vielen Händen und Helfern läßt sich das Schwerste bewegen und scheinbar Unmögliches bewerkstelligen.

Donnerstag, 22. Mai 2008

Schwierige Transporte

Nachdem Mischas große Vase beim Transport zerschellt ist, wird jetzt alles ganz vorsichtig zum Trockenofen gebracht. Auf die chinesische Art mit ganz vielen Leuten und der gummiberäderten Handkarre.


Die Proben sind aus dem Ofen gekommen und wir können weitermachen. Es gibt eine wunderbare Einrichtung in China: Es gibt überall heißes Wasser. Für die Fabrikarbeiter wird es mit einem riesigen Kohlekessel hergestellt und dann auf eine Menge Wasserhähne verteilt, wo sich alle das kochende Wasser in großen bunten Thermoskannen abholen.

Unsre Keramikerin des Tages ist heute Monika Schödel-Müller. Sie macht am längsten von uns allen Keramik. 40 Jahre !!!.

Sie hat mit einer Töpferlehre in der renommierten Werkstatt Kuch angefangen, hat dann die Schule in Landshut besucht und in Kassel Kunst studiert. Zusammen mit ihrem Partner Werner Nowka nennt sie sich "Keramik Erlangen" und hat so ziemlich alles an Preisen und Ehrungen erhalten, die es in der internationalen Keramikwelt gibt .
Hier hat sie sich eine versteckte Ecke zum konzentrierten arbeiten eingerichtet. Wir nennen es "Monika´s office"

Mittwoch, 21. Mai 2008

Nur noch 10 Tage

Noch 10 Tage bis zur Einweihung des Deutschen Museums. Der Count-Down läuft.
Wir treffen uns mit dem Chairman und seinem Sohn vor Ort und versuchen zu planen. Gar nicht so einfach, wenn man nicht weiß, welche Stücke man heil aus dem Ofen bekommt!!!



Moni und Werner hatten Pech mit ihren Bränden, da sie aber so gut im Zeitplan sind, zaubern sie Plan B aus dem Ärmel und sind nun nach dem ersten Schock wieder sehr zuversichtlich.
Für meine geplante Installation, die eine Verbindung zwischen den ausgegrabenen Tonsoldaten und den Erdbebenopfern herstellen soll, wird ein extra Display geschweißt. Mischa hat die Pläne gemacht und kontrolliert die Ausführung.
Abends gehen viele von uns in Fuping bummeln. Heute sind wir zu viert (nur Mädels) zur Schneiderin gegangen, um uns das Eröffnungs-Outfit schneidern zu lassen. Jäckchen im chinesischen Stil. Antje in rot, Moni schwarz und ich silbergrau. Huong-Fe hat uns begleitet, beraten und einen Superpreis ausgehandelt. Die Schneiderin war sehr nett und kompetent. Sie hatte auch für unsere diversen Problemzonen vollstes Verständnis und versprach, dass wir schön, groß und schlank in der neuen Garderobe aussehen werden.


Danach trafen wir uns zum Kinoabend: Jonny Depp in Death Man. Das war eher bizarr, als toll hier in diesem Umfeld! Einige von uns schliefen allerdings sofort, als das Licht ausging, ein und mussten bei Filmende zwangsgeweckt werden. Langsam macht sich bei allen die Anstrengung bemerkbar und wir sind froh, dass für morgen ein Ausflugstag eingeplant ist.

Dienstag, 20. Mai 2008

Fleißig wie die Bienchen

Die meisten von uns haben nun ihre Stücke im Rohzustand fertig und noch ein bißchen Luft, falls etwas daneben geht.
Leider ist Mischas größte Vase gestern beim Transport auf einem Rollwagen zerborsten. Er hat, dem Schicksal zum Trotz, eine neue angefangen und mit etwas Glück wird sie noch rechtzeitig fertig.
Petra Bittl, die am Sonntag ankam, hatte heute ihren ersten richtigen Werkstatt-Tag und es sieht schon ziemlich spannend aus, was sie macht.

Drei Tage lang ist in China Staatstrauer und es gibt drei Gedenkminuten um 14.28 Uhr für die Erdbebenopfer. Die ganze Belegschaft steht in Reih und Glied am Eingang des Villages. Wir nehmen natürlich an den Schweigeminuten teil, was von der Belegschaft sehr positiv aufgenommen wird.