Freitag, 23. Mai 2008

Wandertag ins Töpferdorf

Wieder steht ein kleiner knallblauer Bus für uns um 8.00 Uhr vor dem Hotel. Diesmal sogar mit Klimaanlage. Diesmal begleitet uns nicht nur ein Dolmetscher, sondern auch der Kameramann, der Computerspezialist, der Werkstattleiter und die zukünftige Museumsführerin des Deutschen Museums. Alle sind vergnügt und albern herum, wie Viertklässler am Wandertag.
Die Familie des Werkstattleiters hat einen Betrieb in der Nähe des Keramikmuseums, das wir besuchen wollen. Er führt stolz die Porzellane mit Seladonglasur vor, die hier produziert werden. Ich erstehe ein kleines Kännchen, das die selbe Form hat, wie die Riesenkanne vorm Museum.

Am besten hat mir der Park rund um das Museum gefallen. Eine ungewöhnliche Gehölzkombination, dazwischen Rosen. Ein Gärtner entfernt die alten Blüten. Alles sieht morgenfrisch aus.
Nach dem Lunch in einer in Smog und Staub vergrauten Industriestadt, geht es richtig in die Berge! Die Luft wird endlich klar. Die Hänge sind terrassiert und mit Weizen und Obstbäumen bebaut. Kein Gemüseanbau mehr wie auf den fruchtbaren Lössböden des Flachlandes, in dem Fuping liegt. Über Serpentinen durch Schlaglöcher und abgerutschtem Geröll, dreirädrige Pickups und Handkarren rasant mit lautem Gehupe überholend, erreichen wir Chendou.
Hier ist gerade zu unserer Begeisterung Wochenmarkt, den wir durchstreifen.
Der Ort erstreckt sich in einer leichten Senke am Berghang und scheint ganz aus Brennkapseln gebaut zu sein. Farben und Oberflächen, nach denen sich jeder Holzofenbrenner alle 10 Finger lecken würde. Die Töpfereien sind immer rund um Höfe gruppiert: große prächtige, kleine gepflegte und auch winzige, sehr armselige.
Wir besuchen verschiedene Werkstätten, die eigentlich alle Ähnliches herstellen: Reproduktionen der alten Traditionsformen. Wir sehen einige phantastische Dreher, Malerinnen und Graviererinnen, die zum Teil in höhlenartigen Betriebsräumen ihrer Arbeit nachgehen.

Auf einem Terrassenvorplatz treffen wir eine alte Dame mit winzigen Füßen. Sie ist 86 Jahre alt und überaus lebendig. Hier mit ihrem Sohn.
Sicher war das eines der guten Resultate der chinesischen Revolution: Das Ende der Verstümmelung von Mädchenfüßen.
Nach dem Hinauf- und Hinabklettern durch die Töpferhöfe, vorbei an Schlämmbecken und alten Brennöfen geht die Fahrt wieder zurück ins Flachland. Unser Fahrer verzichtet völlig aufs Herunterschalten. Das ersetzt er durch lautes Hupen, was aber das Durchglühen der Bremsbeläge nicht völlig verhindern kann. Eine Brems-Kühl-Pause muß eingelegt werden. Wir trödeln extra ein bißchen herum, um den Bremsbelägen und unserer Lebenserwartung bessere Chancen zu geben.
Im Vorbeifahren passieren wir Kalköfen, wo Kalksteine grob zerkleinert mit Hilfe von einfachen mit Steinkohle beheizten Feldöfen zu Kalk gebrannt werden. Es wirkt sehr archaisch.
Immer wieder scheint nach dem selben Prinzip gearbeitet zu werden: Mit vielen, vielen Händen und Helfern läßt sich das Schwerste bewegen und scheinbar Unmögliches bewerkstelligen.

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