Auf den Antikmarkt, in dessen Nähe der Bus parkte, hatten wir nicht so große Lust. Lieber Augenschmaus statt Konsumrausch!
Also gings mit dem Taxi Richtung Große Stadtmauer, die fast 14 km lang und noch vollständig erhalten ist, zur Kleinen-Gans-Pagode. Sie dient der Fürbitte und dicke Schwaden von Räucherkerzen hüllen uns ein. Sie stammt aus der Blütezeit der Stadt (900 n Ch.) .

Wir durchqueren das Moslemviertel mit seinen engen Gassen und bunten Verkaufsständen
. Mitten drin liegt die große Moschee, die größte Chinas. Wir besichtigen sie kurz vor dem Mittagsgebet und Männer mit kleinen weißen Käppchen strömen herein. Die Moschee ist seit über 1000 Jahren Gotteshaus! Sie ist in sehr gutem Zustand und mit ihren wunderschönen Grünanlagen und Wasserhöfen ein Ort der Stille und Frische im Großstadtgetriebe. Mr. Wang verwickelt einen Mullah in ein Gespräch. Er widersteht den Bekehrungversuchen und wir erfahren, dass die Moslems auch in der Zeit der Kulturrevolution ungestört ihren religiösen Pflichten nachgehen durften. 
Zum Mittagessen suchen wir eine der unzähligen Garküchen des Moslemviertels auf und laden unsere Begleiter zu einer scharfen Hammelsuppe ein, die vor unseren Augen aus frischen Zutaten entsteht. Dazu gibt es süßsauer eingelegten Knoblauch.

Dannach wieder mit dem Taxi zur großen Gänse-Pagode am Südrand der Innenstadt. Der Weg dahin führt vorbei an Brunnenanlagen, großen mit poliertem Granit gefliesten Plätzen, Pavillons und Verkaufsbüdchen. Es herrscht reges Treiben und Mister Wang erklärt uns, dass dies ein beliebter Treffpunkt für die jungen Leute der Stadt ist.
Um zur Pagode zu kommen, müssen wir durch eine lange Straßenunterführung. Dort erleben wir unser zweites Erdbeben!!!
Ein leichteres, als beim ersten Mal, aber nicht weniger beunruhigend, da das Epizentrum, wie wir später erfahren, in unserer Shaanxi-Provinz liegt.
Die große Gänse-Pagode hat enorme Ausmaße und liegt wieder in einem Park, der mir das Herz aufgehen läßt mit immergrünen Büschen und Bäumen jeder erdenklichen Art. Mönche pflegen ihn. Die Pagode ist einem buddhistischen Mönchen der Tangzeit gewidmet und stellt dessen Leben und Wirken dar. Alles ist sehr prachtvoll und peinlich sauber.

Mister Wang schimpft etwas auf die Mönche, die seiner Meinung nach jeden Tag Fleisch essen, rauchen und trinken und ganz bestimmt auch Mercedes fahren (sein Synonym für Wohlstand) und drängt zur Rückkehr zum Bus. Er glaubt nicht daran, dass alle, wie versprochen, um 18.00 Uhr dort eintreffen werden. Er ist schrecklich nervös und überlegt sich schon Rettungsmaßnahmen für verlorene Schafe. 17. 57 Uhr trifft die erste 17.59 Uhr die letzte Gruppe ein. Na, geht doch!
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