Montag, 19. Mai 2008

Visum - die Dritte!

Beim dritten Anlauf, eine Visumverlängerung zu bekommen, sind wir nun bis zum Distriktsbüro vorgedrungen. In zwei schwarzen Firmenlimousinen (übrigens von Audi) mit verdunkelten Scheiben, dem Sicherheitsdienstchef und einem Translater, ging es morgens in die Kreisstadt Weinan. Wir mussten Passbilder von uns machen lassen (ohne Ohrringe) und dann verschwand der Sicherheitsmann für eineinhalb Stunden im Büro des führenden Beamten. (the rigth person). Wir warteten.




Ergebnis nach 1 1/2 Stunden: wir mussten jeder noch mal ordentlich bezahlen und dann....
am kommenden Freitag muss der Sicherheits-Chef wieder nach Weinan und die dann richtig gründlich abgearbeiteten und untersuchten und für unbedenklich und in Ordnung und zuteilungsfähigen Visa-Verlängerungen abholen. (hoffentlich!)
The right person zu finden, ist auch in der Fabrik ganz wichtig. Ob es nun darum geht, Stücke in den Tunnelofen zu schleusen, ein Werkzeug angefertigt zu bekommen, oder ein Glasurrezept zu erfahren. Man muss sich einen Translater schnappen und die richtige Person suchen. Heute gelang es mir, 4 Suppenlöffel im Restaurant, wo wir verköstigt werden, zum Glasuranrühren auszuleihen. Sogar ganz ohne Translater und unter Umgehung des Restaurantleiters. Das wird zu diplomatischen Verwicklungen führen !!! Aber bevor die "Steppenfee"( so nennen wir unsere Lieblingskellnerin), die in meinen gewagten Coup mit verwickelt war, Ärger bekommt, schleuse ich die Löffel morgen heimlich wieder ein.
Ich habe, inspiriert von dem Besuch der Terrakottarmee, einen neuen Kopf angefangen.



Ich möchte versuchen, dieses Gefühl von einer Verbindung zwischen den Verschütteten des Erdbebens und den von Erde begrabenen Ton-Soldaten darzustellen. Noch weiß ich nicht genau wie.
Heute abend gibt es zu Ehren von Petra Bittl, die nach einer Krankheit erst jetzt zu uns stoßen konnte, eine Grillparty.

Sonntag, 18. Mai 2008

Sonntag in China - Himmelstag

Obwohl es doch recht spät gestern wurde, erschienen wir alle bis auf Monika, die mit einer Erkältung im Bett liegt, vollzählig kur vor acht zum Frühstück, zur großen Freude unserer Adoptivmutter Mr. By. Zur Belohnung gibt es Hefegebäck mit süßer Bohnenfüllung statt Nudelsuppe.
Wir arbeiten, aber etwas lustlos. Da wir erfahren haben, dass alle in privaten Unternehmen Beschäftigten nur zwei Tage im Monat frei haben (7-Tage-Woche) und diese oft für einen Urlaub mit ihren Familien ansparen.


Auch wir machen keine Pause am Wochenende, lassen es aber ruhig angehen, plaudern und trinken zu Abwechslung mal Tee.
Der ist köstlich hier! Selbst in den Supermärkten gibt es eine Teebar mit mindestens 24 verschiedenen Sorten.
Antje und Martin, die genial im organisieren sind, haben sich für umgerechnet 30 Euro Fahrräder gekauft und sichern den Nachschub von Fuping, das man mit dem Taxi oder mit einer halben Stunde Fußmarsch erreichen kann.


Unser Künstler des Tages ist heute Thomas Hirschler, Installationskünstler aus Berlin. Er hat zusammen mit seiner Frau einige Zeit in Colorado (USA) gelebt und gearbeitet. Er unterrichteteBoulder in der University of Colorado. Zur Zeit leitet er das Zentrum für Keramik in Berlin Pankow. Er arbeitet an einer Installation für Fuping.


Samstag, 17. Mai 2008

Der große Tag der Italiener

Das ganze Gelände schien vor Aufregung zu vibrieren. Schon zum Frühstück bekamen wir Papieransteckblumen mit Wimpeln, die uns als VIP´s kennzeichneten

Um 9.30 Uhr Start der Zeremonie unter freiem Sommerhimmel mit Trommeln und Zimbeln und verschiedenen chinesischen Musikdarbietungen. Dann Reden und Vorstellung der Ehrengäste: Politiker, Parteifunktionäre, Industriebosse... Im Publikum: Wir und die ganze Belegschaft der Fabrik, die Bauarbeiter, auf ihren roten Helmen sitzend.


Geschenke und Orden wurden verteilt. Unseren italienischen Kollegen sah man die Anspannung der letzten Tage an und es gab ein paar feuchte Augen. Wieder machten die Translater einen tollen Job. Und auch ihnen zitterten die Knie ein bisschen beim Auftritt auf der Bühne.
Dann ging der Zug ins neue Museum! Noch in der Nacht hatten die Schlosser die Tore eingebaut, die Maurer die Böden geschliffen. Eine frisch gravierte Messingplatte zierte den Eingang.
Also gute Nerven scheinen alle hier zu haben!
Wir begutachten die Arbeiten der Italiener, diskutieren die Präsentation. Was können wir für uns davon übernehmen, was lieber nicht.


Lunchtime! der magische Ruf an die Fleisch- und Tofutöpfe.
Die Kollegen stimmen mit Inbrunst ihre Nationalhymne an (werden wir das auch tun???)
und eilen zu Tisch. Ein Festmahl mit reichlich chinesischem Rotwein und dem regionalen Hirseschnaps.
Glücklicherweise gibt es eine lange Mittagsruhepause. Für die Arbeiter von 11.30 Uhr bis 14.00Uhr. Uns ist es natürlich freigestellt, wann wir kommen und gehen, aber wir halten uns an die Zeiten, um es denen, die sich um uns kümmern nicht noch anstrengender zu machen.
Abends dann ein Abschiedsfest mit Feuerwerk, Bier und Fleischspießchen vom Grill. Unsere Lieder, die wir unter (Lach-) Tränen eingeübt haben, um nicht zu blaß gegen die gesangsstarken Italiener auszusehen, kamen gottlob nicht zum Einsatz.

Freitag, 16. Mai 2008

Die Terrakotta-Armee

Heute haben wir einen Ausflug gemacht. Wir waren ausgelassen, wie Schulkinder am Wandertag.
Zwei Stunden über ziemlich wilde Landstraßen in einem knatschblauen kleinen Bus, der kleinste und dreckigste Bus auf dem Parkplatz am Terrakotta-Armee-Museum. Unsere chinesischen Freunde tun sich etwas schwer mit uns: wir schwärmen aus, sind außer Blick-und Rufweite und trotzdem geht keiner verloren.

Obwohl man schon so viele Bilder gesehen hat und eine riesige Menge Leute sich hier einfindet, war es sehr, sehr eindrucksvoll, diese Figuren zu sehen. Zumal wir mit fast genau dem gleichen Ton arbeiten, aus dem die Tonsoldaten gemacht sind. Wir schauen sie uns aus einem ganz anderen Blickwinkel an. Man glaubt zu sehen, dass sie in verschiedenen Werkstätten gefertigt wurden. Es gibt verschiedene Stile. Für mich war interessant, dass die Figuren fast genau so unterteilt sind, wie ich das bei meinen großen Frauen mache.


Danach: Bummeln in Xi'an. Die Stadt ist ungefähr so groß wie Paris, aber es scheinen doppelt so viele Leute unterwegs zu sein.
Wir waren im moslemischen Viertel, rund um eine riesige Moschee. Dort ist Dauermarkt mit unglaublich vielen Lädchen. Kitsch und Kunst; alles nebeneinander.



Das hat natürlich großen Spaß gemacht. Und wir kamen mit reichlich Beute zurück: Pinsel, Täschchen, Fahradklingeln....
Nach zwei Stunden in der Hitze ging es zurück zum Bus. Zwei Stunden Rückfahrt. Nun sind wir müde, aber guten Mutes im Hotel angekommen und freuen uns auf´s Bett.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Dont worry, be happy !

Wieder in Ausgehkleidung wegen der Visa, ist der erste Gang am Morgen zu den Öfen. Wir warten auf unsere Proben, um mit dem Dekorieren und Glasieren anfangen zu können. Wir wollen ein bisschen Luft haben, um eventuell noch nicht Gelungenes nachmachen zu können. Ein Wagen voller Schrott kam aus dem Tunnelofen. Die Töpferlehrlinge der Firma haben zu nasse Stücke eingebaut. Die sind explodiert und haben zwei fantastische große Stücke von einem italienischen Kollegen umgerissen. Die Eröffnung des italienischen Museums ist übermorgen! Der andere große Gaskammerofen ist völlig unterfeuert. Die Glasuren blieben pudrig abreibbar. Für uns nicht tragisch, aber die Italiener sind am Boden zerstört. Sie müssen den Ofen nochmal brennen. Das wird knapp.
Das färbt natürlich auch auf unsere Stimmung ab, zumal wir mit unseren Visa-Verlängerungen bis Montag warten müssen. (Diesmal ist der Sicherheitsdienstchef alleine zur Bürgermeisterei gefahren, aber die "right person" war nicht da.)
Die Motivation läßt merklich nach. Einige fahren zum "shoppen" nach Fuping und kommen mit tollen Sachen wieder: die ultimative Teethermokanne mit Sieb und Teecontainer, handgeschmiedete Rosenscheren, Lotosblütentischfeuerwerk das "Happy Birthday" spielt und natürlich Tee. Unverzüglich machen wir eine Teeprobe. Es wird viel rumgealbert und Fritz bringt den Translatern das Freidrehen bei.


Für heute Abend sind wir in der Trafo-Bar verabredet. Das ist unsere neue Stammkneipe, benannt nach selbigem abenteuerlichen Mast mit Kabelsalat (Bild folgt). Hier bringen wir Schande über unser Vaterland und trinken größere Mengen Bier. "pidchou" auf chinesisch. Das Wort können mittlerweile alle!!!

Mittwoch, 14. Mai 2008

Visa verlängern mit Hindernissen


Seit zwei Tagen versetzen wir die ganze Firma in Aufregung, weil wir (die Viererbande) unsere Visa verlängern müssen, um bis zur Eröffnungszeremonie des deutschen Museums dabei sein zu können. Dafür müssen wir in die Kreisstadt Weinan. Heute haben wir es mit einer Übersetzerin und dem Sicherheitschef der Firma bis zum Rathaus von Fuping geschafft.Dort fehlte eine ordnungsgemäße Meldung vom Village.Morgen machen wir einen neuen Versuch.
Während der Wartezeit hatten wir reichlich Muße, den morgendlichen Verkehr in Fuping zu genießen. Das imposanteste war ein Trauerzug.
Vorneweg ein Granatwerfer, dann ein Laster mit Blaskapelle, danach die Trauergesellschaft ganz in Weiß. Wir hielten es für eine Hochzeitsgesellschaft und winkten freundlich, bis Huong Fue, unsere Dolmetscherin, uns aufklärt. Peinlich, peinlich.
Sie ist total nett und unglaublich interessiert an Gesprächen,Informationen und Meinungsaustausch.Ist das Chinas Zukunft? Wir hoffen es.
Unser Künstler des Tages ist heute Manfred Emmenegger. Er hat hier sein El Dorado gefunden. Aus gepreßten Vierkantprofilen baut er große Objekte. Er geht unglaublich souverän ans Werk. Es macht Spaß, zuzusehen. Er hat viele gute Tips, die uns allen weiterhelfen. Beim italienischen Abend haben wir ihn als Sänger erlebt, der mit dem Vortrag von "Marmor Stein und Eisen bricht" gegen "Oh sole mio" punkten konnte. Wir haben ihn natürlich mit einem vielkehligen "Dam-Dam" unterstützt.

Dienstag, 13. Mai 2008

Nach dem Beben - es geht weiter

Unser Künstler des Tages ist heute Martin Möhwald. Er lebt und arbeitet als freier Kunstschaffender in Halle. Er gehörte zu dem exklusiven Zirkel geförderter Künstler in der Ex-DDR und konnte sich nach der Wende behaupten. Er ist wohl, wenn man ihm so zuhört, schon bei allen Workshops dieser Welt gewesen und hat Chinaerfahrung, was uns allen zu Nutze kommt.



Ansonsten war heute ein unspektaklurärer Arbeitstag und alle kommen weiter.
Hier ein paar Impressionen:




Montag, 12. Mai 2008

Erdbeben - selber Tag

Das war das Erdbeben mit der Stärke 7,5 in der Provinz Sichuan, das uns hier erreichte.
Das heißt, wir waren ca. 300 km vom Epizentrum entfernt.
Ich hatte das Gefühl, meine Beine würden sich unter mir wegbewegen und ich dachte, es wäre etwas mit mir, Schwindel, Schlaganfall ... dann schaute ich auf mein Gegenüber, auch ihm schwankten die Beine, der ganze Boden schlingerte.
Irgendwie gibt man dem, was da passiert einen Namen; auf einmal die Gewißheit, dass es die Erde ist, die sich bewegt: nur noch ein Gedanke: raus !!! Ich konnte Mischa erst nicht sehen, denn er war ganz nah beim Ofen. Doch dann kam er auch raus ins Freie, kreidebleich. Ich folgte seinem Blick, der auf den Fabrikschornstein gerichtet war. Der Schornstein wand sich wir eine Schlange. Doch er hielt und auch das Beben liess nach.
Alle waren herausgelaufen und es dauerte eine Weile, aber dann ging alles seinen gewohnten Gang.
Wir waren alle ziemlich angegriffen, nur keiner wollte es sich anmerken lassen.
Und auch das italienische Essen, das für heute angesagt war, fand fast ganz normal statt.
Vielleicht ein bißchen mehr Exaltiertheit, ein paar mehr Gesangseinlagen, ein bisschen mehr Schnaps. Aber sonst ganz normal.

Wir haben Glück gehabt!!!

Erdbeben

Es gab ein Erdbeben. Das Zentrum war in der Nachbarprovinz. Es war ziemlich erschreckend, aber uns ist nichts passiert. Ausführlicher Bericht kommt heute abend.

Sonntag, 11. Mai 2008

Präsidenten-Besuch

Heute morgen wurde ein riesiges Plakat am Eingang des Villages aufgebaut, das wie die Dolmetscher sagen, selbiges als Modell für sanften und ökologischen Tourismus ausweist und als kultur-bewahrend und -fördernd preist. Und dann kam der Präsident der Provinz Shaanxi und hat uns besichtigt und die Hand geschüttelt. Eine Riesenhorde von Presseleuten hat ihn begleitet:
KAUBER KERAMIKER IM CHINESISCHEN FERNSEHEN!!! Leider wissen wir Kanal und Sendezeit nicht.
Ich beende heute meine Schwimmerinnen, fünf an der Zahl (morgen gibts davon ein Bild) und will der letzten ein asiatisches Gesicht geben, als Hommage an unsere Gastgeber. Als Modell konnte ich ein junges Mädchen, das in der Verkaufsaustellung arbeitet, gewinnen. In Realität ist sie viel hübscher, als meine Skulptur, aber ich bin trotzdem ganz zufrieden mit dem Ergebnis.
Künstler des Tages ist Thomas Weber. Er lebt und arbeitet in Ludwigsburg als freier Künstler und unterrichtet an der dortigen Jugend-Kunstschule.
Zudem ist er Preissträger des Wettbewerbs für keramische Installation, den die Nassauische Sparkasse ausgeschrieben hatte. Thomas arbeitet mit der uralten Würstchen-Technik und erzielt damit erstaunliche Volumen. Er arbeitet draußen in der Sonne.
Er ist wohl der einzige von uns, der braun wird!

Samstag, 10. Mai 2008

Frau Professor



Eifrige Blog-Leser haben es schon bemerkt, wir können wieder Bilder einfügen. Unser webmaster Paul in Deutschland macht es möglich!!!
Ich werde in Zukunft versuchen, Reizworte, wieNudelsuppe oder Große Mauer zu vermeiden und Umschreibungen benutzen, Auch die jungen Männer, die mit gleicher Schrittläge laufen und dieselbe Kleidung tragen, werden wir nicht mehr ablichten.
Dafür möchte ich die nächste Zeit jeden Tag einen Mitstreiter vorstellen.
Heute ist es Antje Scharfe.
Sie ist emeritierte Professorin an der renommierten Burg Giebichenstein in Halle. Diese Ausbildungsstätte wurde von den Bauhauskünstlern gegründet und gilt als eine der besten Ausbildungsstätten für Kunsthandwerk und Design in Deutschland. Ihre Professoren gehören zu den kreativsten und technisch versiertesten in unserem Land.
Antje ist im Moment noch in der Recherche-Phase und hat eine kleine Installation an ihrem Arbeitsplatz aufgebaut. Wir sind sehr gespannt, welchesProjekt sie hier verwirklichen wird!

Freitag, 9. Mai 2008

Eine Woche Fuping


Beim Blick auf den Kalender merken wir, dass wir jetzt schon eine Woche im Pottery Art Village sind. Grund genug für ein kleines Resümee: Unser Hotelzimmer ist uns ein Zuhause geworden und wir können sogar nach Deutschland telefonieren und angerufen werden. Sechs Stunden sind wir euch vorraus!!! Langsam haben sich alle an uns gewöhnt hier im Village und wir Langnasen sind Alltag geworden. Jeden Tag erleben wir neue Szenen, die unser Wohlstandsleben in Deutschland relativieren und unsere westliche Arroganz wird manches Mal ganz schön gedeckelt, angesichts der Leistungen, die wir hier sehen. Unserer Werkstatt gegenüber ist die Betriebsschlosserei. Die Männer arbeiten unter einem Zeltdach mit Maschinen, die aus der Frühzeit der Industrialisierung zu stammen scheinen. Sie stellen mit äußerster Präzision die Stahl-Armierungen der Museumskuppeln her.
Es dauerte 2 Stunden, dann war unsere Tonplattenwalze, die den Geist aufgegeben hatte, wieder heil. Zehn Mann kamen, bauten das Teil auseinander, schleppten alles weg und bauten es heil wieder auf. Das meiste geschieht mit großer Ruhe, selten hebt jemand die Stimme.
Mich begeistern die jungen Menschen, die einen mit wachem offenen Blick ansehen, begierig sind, etwas zu erfahren, zu lernen. (So scheint es jedenfalls).
Sie sind überhaupt nicht "cool"!!!
Obwohl wir in einem behüteten Ghetto leben und gehegt und gepflegt werden, kriegen wir schon eine Menge von China mit, was einem als Tourist wohl verschlossen bleibt.
Schade, dass wir keine Bilder mehr senden können, aber wir fotografieren und filmen eifrig und liefern Bilder nach.

Aus Einzelkämpfern wird eine Gruppe.


Heute Blog, statt Mittagsschlaf! Meine erste große Figur ist fertig modelliert, der erste Kopf im Ofen, eine große Wandplatte steht bereit für den Trockenofen, Mischa`s erste Riesenvase ist auf halber Höhe und hält gut. Wir sind zufrieden mit dem Vormittag. Alle Neuankömmlinge haben ihr Plätzchen gefunden und legen los. Sie können (hoffentlich) von unseren Erfahrungen profitieren und mit geringem Reibungsverlust starten. Ich denke, wir müssen uns so gut wie es eben geht, gegenseitig unterstützen. Dann wird was Gutes daraus!
Das erste gemeinsame Mittagessen im eigenen deutschen Raum. Schade, dass es so eine Seperation gibt: Italiener, Deutsche, Translator. Aber trotz Insistieren, scheint es räumlich nicht anders zu gehen. Einen Vorteil hat es schon, nur deutsch zu reden: Wir können tiefschürfende Diskussionen führen. Und es ging heute gleich ans Eingemachte: Den Stellenwert der Keramik in der deutschen Gesellschaft und die Akzeptanz der Keramik als eigenständige Kunstgattung.
Vollständig lösen konnten wir die Problematik noch nicht, aber wir haben ja noch ein paar Tage Zeit.
Es macht Spaß, sich die Köpfe heiß zu reden! Zumal wir aus recht verschiedenen keramischen Heimaten kommen, und es ein Altersgefälle von ca. 30 Jahren gibt.
Jetzt fehlen noch 4 von unserer Truppe, dann sind wir komplett. Ich bin gespannt, wie sich alles entwickelt und freue mich schon auf heute Nachmittag.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Die alten Hasen von Fuping


Leider können wir immer noch keine Bilder ins Netz hochladen. Auf diesen wären nun die ersten getrockneten Stücke zu sehen und die ersten Farbproben, die auf Anhieb gut gelungen sind. Mischa baut riesige Töpfe und scheint es zu genießen, endlich mal nicht so räumlich beschränkt zu sein und vor allem: wir brauchen uns keinen Kopf darüber zu machen, ob jemand das kauft, sondern können ganz frei arbeiten. Daran muß man sich erst gewöhnen.
Heute war der erste Tag mit den Neuankömmlingen. Es ist wirklich zum Schreien, da muß nur jemand kommen, der noch weniger durchblickt, als man selber und schon fühlt man sich wie ein alter Hase und China-Kenner. Die "Neuen" kamen mit Anette Mertens, die professionell Reisen durch China organisiert. Da sie selbst Keramikerin ist, sind es oft speziell Keramiktouren.
Heute Abend beim Bier - scheinbar völlig unüblich, einfach nur ein Bier zu trinken, so ganz ohne Fleischspießchen- konnte sie uns viel erklären und auf einige wichtige Dinge aufmerksam machen, die vermeiden helfen, in sämtliche Fettnäpfe zu treten.
Morgen kommt der Rest der Truppe aus Peking, zusammen mit dem Initiator des Projekts, Dr. Hsu. Dann gibt es ein offizielles Begrüßungsfest.
Für heute schließe ich, totmüde. Acht Stunden angespanntes Arbeiten an den Stücken und dann noch jede Menge Input.
Schnell noch ein kleines Stoßgebet für die Skulptur, die neben dem Ofen trocknet und morgen in den Tunnelofen geschoben wird. Ob alles so rauskommt, wie vorgestellt?

Mittwoch, 7. Mai 2008

Trotzdem weiter - vier im Fuping-Fieber


Obwohl wir nicht wissen, ob wir weiter ins Netz kommen, will ich weiter berichten. Die letzten zwei Tage haben wir bearbeitet, wie die besessenen und schon die ersten ganz brauchbaren Stücke "auf die Bretter" gestellt. Wir werden unglaublich gut unterstützt und man versucht alles möglich zu machen. Das alles geschieht mit größster Freundlichkeit. Heute wurden unsere Poster fertig von jedem ein Din A 1 Format mit Vita, Stücken und einem Portraitphoto. Man kommt sich ziemlich wichtig vor!!! Inzwischen sind die Italiener von ihrem Shanghaiausflug zurück. Die Verständigung mit ihnen klappt auf französisch ganz gut. Das können sie besser als englisch. Das heißt wir leben jetzt mit vier Spachen. Abends ist man dann so " bregenklöterich", das nur noch gutes chinesisches Bier hilft um sich wieder einzunorden.
Gleich kommen die nächsten Keramiker aus Deutschland an! Wir sind gespannt, wie es dann wird zu neunt im Raum.

Dienstag, 6. Mai 2008

Sind wir noch auf Sendung?

Seit gestern können wir keine Bilder mehr in den blog hochladen und auch selbst unseren eigenen blog nicht mehr anschauen. Werden die blogs zensiert?

Montag, 5. Mai 2008

Lernen lernen.... - chinesisch beim Mittagessen


Die Proben sind gut aus dem Ofen gekommen, der Ton verhält sich so, dass wir damit zurecht kommen können. Die Anspannung läßt nach und wir nehmen etwas mehr von den Leuten um uns herum wahr: Unser Oberdolmetscher Mister By, ein älterer Mann im Ruhestand, der früher für eine australische Gesellschaft mit Goldsuche zu tun hatte, scheint noch aus einer älteren, längst vergangenen autoritären, Zeit zu stammen. Die Jungen sind ganz anders drauf. Die vier studieren oder studierten alle Englisch. Sie benutzen den Job hier, um mehr Spachroutine zu kriegen. Sie stammen alle aus kleinen Verhältnissen und wollen raus aus dem alten China, in eine neue Zeit.
Es ist wahnsinnig spannend, sich mit ihnen zu unterhalten und es freut sie sehr, dass wir von ihnen chinesisch lernen wollen. Es macht Spaß und wir lachen viel bei den drei köstlichen Mahlzeiten.
Es scheint auch, als hätten wir eine neue Stammkneipe gefunden, draussen vor dem bewachten Tor des Villages mit Blick auf den atemberaubenden Verkehr mit Fahrzeugen aller erdenklichen Art. Das ist noch mal a ´weng ( klnigt chinesisch, ist aber fränkisch) anders, sagt Moni, als in Peking.

Sonntag, 4. Mai 2008

Erste Stücke und Bummel in Fuping


Langsam spielt sich alles ein und wir fangen richtig an zu arbeiten. Mischa dreht Teeschalen, um ein Gefühl für den Ton zu bekommen, ich spiele ein bisschen herum mit der gleichen Absicht. Arbeiter aus der Fabrik kommen und schauen ein Weilchen zu. Was sie wohl denken?


Ein guter Tag, alles klappt gut und wir haben übrigens SOMMER hier, T-Shirt Wetter mit Siesta in der Sonne!
Wir beschließen, trotz der Unkenrufe der verbliebenen Italiener, einen Abendbummel in Fuping zu machen (ca 4 km entfernt vom Potery Art Village). Alleine will man uns ungern gehen lassen, also fahren zwei Dolmetscherinnen mit, die uns ihre chinesischen Namen nicht zumuten wollen. Wir versuchen es, sie zu lernen, es ist so schwierig zu behalten, weil man für diese Sprache keine Assoziationen hat.
Es war richtig Klasse in Fuping, das wirkliche China. Wo und wann kann ein bisschen Tee und Bier kaufen so sensationell sein und soviel Spaß machen?
Wir waren die Sensation des Abends und kamen uns vor, wie in einem Film, wo man auf einmal die Hauptrolle spielt. Das muss doch Spaß machen, oder?

Samstag, 3. Mai 2008

Der erste Arbeitstag


Anders, als bei den Mädels aus dem Hotel, gab es für die Künstler keinen Morgenapell, aber Frühstück zwischen 7.30 und 8 Uhr.
Bis Mittag waren die Arbeitsplätze so, wie wir das wollten und eine halbe Tonne Ton und Rohplatten gebunkert, Drehscheibe installiert, Ränderscheiben und Gipsformen plaziert. Jeder Künstler kann sich den Arbeitsplatz nach seinen Vorstellungen einrichten und Material aus der Fabrik ordern. Die Dolmetscher machen es möglich und flitzen hin und her.
Nachmittags legen wir dann los.
Quasi um die Wette mit den Arbeitern, die das deutsche Museum bis zur Eröffnung am 1. Juni für unser Objekte fertig haben sollen!





Freitag, 2. Mai 2008

Jetzt wird es ernst!



Morgens 8.30 Uhr Empfang bei Chairman Xu, dem Direktor. Er befragt uns über unsere Eindrücken in China und will es wirklich wissen, es scheint nicht aufgesetzt zu sein. Dann eine Führung über das Gelände des "Pottery Art Village"begleitet von einem Filmteam. Ein Museumskomplex aus modernen Ziegelbauten von gigantischem Ausmaß. Und die Keramik darin, auf höchstem Niveau. Geplant ist, eine Stätte für zeitgenössische Kunst zu schaffen als moderenen und lebendigen Gegenpol zur Terracottaarmee, die hier ganz in der Nähe ist mit Ausbildungsstätten und Ateliers für junge Keramiker.
Ein Projekt von imensen Ausmaßen. Das wird uns jetzt erst richtig klar.
Nach dem Begrüßungsdiner mit dem Chairman nehmen wir Tuchfühlung mit unseren Arbeitsbedingungen auf.
Zehn Italiener sind schon da und wir werden unseren eigenen Werkraum für die deutsche Crew haben. Dazu vier Unter- und einen Oberdolmetscher (englisch) und jede Hilfe und jedes Material der Fabrik, das wir brauchen.
Es ist eine Ziegelfabrik. die auch Dekorziegel (Drachen und Löwen...) herstellt. Im Material und den Brennöfen liegt das Problem. Die Qualität des Tons und die Brenntemperaturen sind sehr schwankend. Die Italiener sind schon etwas verzweifelt. Wir versuchen möglichst viel rauszukriegen, um morgen früh loszulegen.